Pflege am absoluten Limit!

AK-Vizepräsidentin Manuela Auer fordert sofortige Entlastung des Pflegepersonals. Ihre eindringliche Warnung: „Das Pflegepersonal ist am Ende seiner Kräfte!“

Seit Wochen arbeiten die Beschäftigten im Pflegebereich in einer absoluten Ausnahmesituation. „Sie riskieren ihre Gesundheit und arbeiten mit großem Verantwortungsbewusstsein über das normale Arbeitspensum hinaus, um das System am Laufen zu halten“, betont AK-Vizepräsidentin Manuela Auer. „Nach Wochen mit extremer Belastung sind die KollegInnen in der Pflege nun am Ende ihrer Kräfte. Bund und Land müssen sofort Rahmenbedingungen schaffen, um wieder halbwegs einen ‚normalen‘ Arbeitszustand zu ermöglichen.“

„Das System war vorher schon am Limit, die KollegInnen an der Grenze der persönlichen Belastbarkeit. Viele von ihnen haben diese in der Coronakrise nun zum Wohl der Pflegebedürftigen und PatientInnen sogar noch überschritten“, beschreibt Auer die aktuelle Lage des Pflegepersonals. Das Personal wurde in kleinere Teams aufgeteilt, um Begegnungen zu vermeiden und das Infektionsrisiko zu verringern. Damit wurde mit weniger Personal das gleich hohe Arbeitspensum geleistet. „Nun erreichen mich immer mehr Hilferufe von PflegemitarbeiterInnen, die seit Wochen zum Teil völlig unterbesetzt arbeiten und nicht mehr können. Ich fordere von Gesundheitslandesrätin Katharina Wiesflecker, sofort die Notbremse zu ziehen und zu veranlassen, dass wieder auf Normalbetrieb umgestellt und der Personalstand aufgestockt wird.“

Auer sorgt sich auch massiv um das Wohlbefinden der Pflegebedürftigen und PatientInnen. „Sie sind seit Wochen in ihren Zimmern isoliert und dürfen keinen Besuch von Familienmitgliedern oder Ehrenamtlichen empfangen. Auch für die Angehörigen ist das keine leichte Zeit. Aufgrund der Unterbesetzung des Personals fehlt für die PflegemitarbeiterInnen zudem die Zeit, um sich entsprechend verstärkt um die Menschen zu kümmern“, betont Auer. „Land und Pflegeeinrichtungen müssen neben der Wiedereinsetzung des ‚normalen‘ Arbeitszustandes für das Personal auch sofort Maßnahmen setzen, um Besuche zu ermöglichen.“

Es dürfe auch keinesfalls sein, dass die Pflegeeinrichtungen auf dem Rücken des Personals ihre Überstundenkonten sanieren. „Auf der einen Seite wird vom Pflegepersonal verlangt, über das normale Arbeitspensum hinaus zu arbeiten und auf der anderen Seite werden MitarbeiterInnen in Zeitausgleich geschickt.“ Jetzt Überstunden abzubauen sei nicht falsch, aber hier werde die Belastbarkeit des Personals bis aufs Letzte ausgereizt, um die zum Teil horrenden Überstunden in den Griff zu bekommen. „Das ist ein Skandal und zeigt auch den dringenden Handlungsbedarf beim Personalstand auf.“

Zudem habe das Pflegepersonal von den ständigen Dankes-Bekundungen am Ende des Tages nichts, bemängelt Auer. Sie fordert eine nachhaltige Verbesserung der Einkommenssituation, um auch den Pflegeberuf attraktiver zu machen. „Land und Bund müssen endlich ein Bekenntnis abgeben, eine Gesundheitsmilliarde bereitzustellen. Ausreden, es sei zu wenig Geld da, werden wir nicht akzeptieren!“ Auer kritisiert die Sparpolitik der vergangenen Jahre massiv. „Diese falsche Politik fällt uns jetzt auf den Kopf. Ich fordere daher gravierende strukturelle Verbesserungen im Gesundheitssystem!“

„Es geht um die Gesundheit des Pflegepersonals und letztendlich um die Gesundheit unserer alten und kranken Mitmenschen, die gepflegt werden müssen. Wer jetzt nicht reagiert, nimmt in Kauf, dass genau diese systemrelevanten und besonders schützenswerten Menschen gesundheitliche Schäden davontragen“, appelliert die AK-Vizepräsidentin eindringlich an die Politik, sofort zu handeln.