Große Unzufriedenheit!

Manuela Auer: „Fachkräftemangel ist hausgemacht.“

Immer mehr Menschen denken über eine berufliche Veränderung nach. Nirgends sind es aber so viele wie im Tourismus- und Gastronomiebereich: Aktuell überlegen vier von zehn Beschäftigten, ihren Beruf oder zumindest ihren Arbeitgeber zu wechseln. Die Gründe sind altbekannt: unregelmäßige Dienste, Schichtarbeit, schlechte Bezahlung, fehlende Wertschätzung. Das zeigt die aktuelle Auswertung des Österreichischen Arbeitsklima-Index der Arbeiterkammer (AK).

Hohe Unzufriedenheit im Tourismus
Besonders hoch ist demnach die Unzufriedenheit der Beschäftigten im Tourismus. AK-Vizepräsidentin Manuela Auer dazu: „Wer glaubt, dass die Unzufriedenheit der höheren Belastung durch die Pandemie zuzurechnen ist, irrt. Denn bereits vor der Pandemie war der Frust am Arbeitsplatz mit 37 Prozent unzufriedenen Kolleginnen und Kollegen enorm hoch. Die Zahlen zeigen, dass der vielbeklagte Fachkräftemangel offenbar hausgemacht ist.“ 

Höchste Wechselbereitschaft in systemrelevanten Berufen
Die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz sinkt jedoch generell. Waren es im Jahr 2015 noch durchschnittlich 16 Prozent und kurz vor der Corona-Pandemie 20 Prozent, so sagen jetzt schon 26 Prozent der Beschäftigten in Österreich, dass sie in eine andere Firma wechseln oder einen ganz anderen Beruf ausüben wollen. Besonders hoch ist der Anteil der Wechselwilligen unter Akademiker:innen und jungen Arbeitnehmer:innen. Stark gestiegen ist er in den vergangenen beiden Jahren im Verkehrs- und Nachrichtenwesen, im Unterrichtswesen, im Gesundheits- und Sozialbereich sowie im Handel, also in einigen der systemrelevanten Berufe, die mehrheitlich von Frauen ausgeübt werden. 

Nicht nur Corona schuld
Manuela Auer: „Wenn innerhalb einer Zeitspanne von 7 Jahren der Frust an der Arbeitsstelle um 10 Prozent zunimmt, ist das ein akutes Alarmsignal. Die Unternehmen sind gefordert, radikal umzudenken!“ Und weiter: „Es scheint fast so, dass die Wirtschaft zwar beständig von veränderten Rahmenbedingungen redet, diese Veränderungen jedoch nur auf die Produktions- und Absatzbedingungen der Märkte bezieht und die Arbeitnehmer:innen vergisst.“ Die Gesellschaft verändere sich und mit ihr die Menschen. Damit veränderten sich auch Werte und Haltungen. So sei die Geburt eines Kindes für junge Eltern heute Anlass, mehr Zeit miteinander zu verbringen. Wenn Betriebe keine entsprechenden Möglichkeiten dazu anbieten, steige über kurz oder lang der Frust, verweist die Gewerkschafterin auf aktuelle Beispiele. 

Faire Löhne und mehr Respekt!
AK-Vizepräsidentin Auer abschließend: „Weniger Klagen über Arbeitnehmer:innen, stattdessen die Erfüllung der mehr als berechtigten Forderungen nach der Verbesserung der Arbeitsbedingungen, fairen Löhnen, mehr Respekt und der Einhaltung der rechtlichen und kollektivvertraglichen Bestimmungen; das wäre eine angemessene Reaktion der Arbeitgeber!“