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»„Arbeit 4.0“: Die Zukunft der Arbeit.«

Die andere Seite der Medaille „Industrie 4.0“.

Die Gesellschaft steht vor großen Herausforderungen. Arbeit wird weniger werden – vor allem aber werden die Anforderungen an ArbeitnehmerInnen durch den Einsatz neuer Technologien (Stichwort Industrie 4.0) wachsen. Die Wichtigkeit von Bildung und guter Ausbildung steigt weiter. Vor allem aber wird die fortlaufende Weiterqualifizierung der ArbeitnehmerInnen eine riesige Herausforderung, die wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten nicht dem sogenannten „Freien Markt“ überlassen werden.

Die Schätzungen darüber, wie viele Jobs durch die technischen Innovationen vernichtet werden und wie viele neu geschaffen werden, gehen weit auseinander. Sicher ist aber, dass nicht nur „unqualifizierte“ Arbeitsplätze verloren gehen. Betroffen davon werden auch „Mittelklasse-Jobs“ sein. So werden etwa viele Arbeiten in Büros und Verwaltungen automatisiert werden. Wer bisher mit dem Schraubenschlüssel gearbeitet hat, wird in Zukunft eine Maschine programmieren müssen, die die Arbeit des Schraubenschlüssels erledigt.

Industrie 4.0 – wo stehen wir jetzt?

Der Begriff „Industrie 4.0“ hat bereits seinen Platz in der Arbeitswelt gefunden. Industrie 4.0 beginnt nicht erst, sondern ist bereits im Alltag angelangt. Bis dato jedoch hat niemand eine Antwort darauf gefunden, wie man mit den Herausforderungen umgehen soll.

Um den Begriff „Industrie 4.0“ zu verdeutlichen, sind folgende historische Schritte in der wirtschaftlichen Welt und der damit verbundenen Änderungen in der Gesellschaft zu benennen:

Am Ende des 18. Jahrhunderts fand die erste industrielle Revolution statt. Mechanische Produktionsanlagen wurden durch Wasserkraft und Dampfmaschinen betrieben. So gab es beispielsweise den ersten mechanischen Webstuhl im Jahre 1784.

Der Beginn der Elektrifizierung läutete rund um die Wende zum 20. Jahrhundert die zweite industrielle Revolution ein. Im Rahmen der zweiten industriellen Revolution wurden Transportbänder hergestellt, Strom ermöglichte eine arbeitsteilige Massenproduktion. In den Schlachthöfen von Cincinnati wurde erstmals ein Fließband verwendet.

Zu Beginn der 1970er Jahre begann die dritte industrielle Revolution. Dank Elektronik und IT übernahmen Maschinen ganze Arbeitsschritte in der Produktion. Die erste speicherprogrammierbare Steuerung gab es 1969. In Erinnerung gerufen sei dabei die in diesen Jahren geforderte „Maschinensteuer“ durch Sozialminister Alfred Dallinger (SPÖ).

Nun stehen wir bereits mitten in der vierten industriellen Revolution, bezeichnet als „Industrie 4.0“. Es gibt bereits Firmen, die unter diesem Begriff ihre Arbeit verrichten. Es werden mehr werden – viel mehr. Dabei versteht man unter dem Begriff „Industrie 4.0“ die „intelligente Fabrik“. Mensch, Maschine und Objekt tauschen Informationen aus. Das Produkt steuert dabei seinen eigenen Fertigungsprozess.

Zukunft der Arbeit –Arbeit 4.0

Gesichert ist, dass durch die „Industrie 4.0“ Arbeitsplätze verloren gehen. Alle diesbezüglichen Expertinnen und Experten sind sich darüber einig. Entscheidend wird sein, wie neue Arbeitsplätze im Verhältnis dazu geschaffen werden.

Industrie 4.0 bedeutet auch, dass sich die Erwerbsbiografien stark verändern werden. Traditionelle Erwerbsbiografien – Bildung/Ausbildung, gefolgt von der Sicherheit derselben Tätigkeit bis zum Ruhestand – wird es in Zukunft vor allem nicht mehr geben.

Junge Menschen werden nicht nur gut ausgebildet sein müssen. Vor allem werden sie nach einer guten Ausbildung lebenslang weiterlernen müssen, um im Berufsleben zu bestehen.

Die Zahl der Ein-Personen-Unternehmen (EPU) wird weiterhin zunehmen. Unzählige gut ausgebildete junge Menschen arbeiten jetzt schon auf der Basis von Werksverträgen. Das stellt eine neue Herausforderung für die Politik dar, eine entsprechende sozialrechtliche Absicherung sicherzustellen. Der klassische Arbeitsplatz wird an Bedeutung verlieren. Vielfach wird von zuhause oder unterwegs gearbeitet werden. Diesen Herausforderungen werden sich auch die Gewerkschaften stellen müssen, um die Arbeitsrechte dieser Arbeitnehmer zu sichern.

Präventive Arbeitsmarktpolitik: Bildung und Ausbildung in der Zukunft

In der Zukunft – und die Zukunft beginnt jetzt – werden wir unsere Kinder auf eine neue Arbeitswelt vorbereiten müssen. Die Veränderung der Arbeitswelt wird sich auch auf die Bildung und Ausbildung auswirken müssen. Der Wandel der Arbeitswelt erfordert andere, vor allem höhere Qualifikationen und ein lebenslanges Lernen.

In Vorbereitung auf die digitale Arbeitswelt muss die Digitalisierung auch in den Schulen schneller voranschreiten. Christian Kerns Forderung nach einem eigenen Tablet ab der Volksschule ist richtig, damit die Kinder von Früh auf mit der Digitalisierung vertraut zu machen und den richtigen Umgang damit zu lernen. Entsprechend muss sich auch die Bildung an die zukünftigen Herausforderungen anpassen.

Dafür müssen wir die Weichen stellen. Einerseits braucht es einen bezahlbaren Zugang zum Internet für alle Haushalte. Laut Statistik Austria waren im Jahr 2016 85% der Haushalte mit einem Internetzugang ausgestattet. In 68% aller Haushalte waren feste Breitbandverbindungen (z.B. DSL, Kabel, Glasfaser) für den Internetzugang vorzufinden, in 59% aller Haushalte waren mobile Breitbandverbindungen über ein Mobilfunknetz (z.B. mit Modem am tragbaren Computer oder über Mobiltelefon mit 3G- oder 4G- Technologie, wie UMTS, HSDPA, 4G/LTE) in Verwendung. Wir sind also weit davon entfernt, dass alle Haushalte mit einer Internetverbindung, geschweige denn mit einem Breitbandzugang ausgestattet sind.

Darüber hinaus müssen die „MINT-Fächer“ verstärkt in der Bildung und der Ausbildung Niederschlag finden. MINT ist ein Akronym für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (bzw. Forschung). Österreichweit haben wir derzeit 11.000 HTL-AbsolventInnen und 17.000 AbolventInnen an den Universitäten. Das ist viel zu wenig, um den Bedarf in der Wirtschaft abzudecken. Besonders der Frauenanteil in diesen Fächern ist immer noch sehr gering. Bestehende Programme wie „FIT-Frauen in die Technik“ müssen ausgebaut werden.

Dies alles kann nur gelingen, wenn wir mit unseren bereits seit Jahren bestehenden Forderungen nach einer deutlichen Verbesserung der Frühförderung, auch mit einem Schwerpunkt auf naturwissenschaftliche Förderung, nach einem flächendeckenden Ausbau der Ganztagsschulen sowie der Einführung der Gemeinsamen Schule endlich auch Gehör finden.

Zwar gibt es bereits eine Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Ausbildung, Stichwort „Lehre mit Matura“. Es wird aber unumgänglich sein, diese Durchlässigkeit zu erhöhen. Das wäre auch ein Beitrag zur Attraktivierung des Lehrberufes.

Berufliche Weiterbildung und Qualifizierung – es ist höchste Zeit!

Bisher sind die anstehenden Veränderungen in der Berufswelt nur wenigen Menschen wirklich bewusst. Nachdem Industrie und Wirtschaft die Digitalisierung vorantreiben, ist es höchst an der Zeit, die ArbeitnehmerInnen auf die Umwälzungen vorzubereiten; und das nicht erst, wenn Menschen von Arbeitslosigkeit bedroht oder betroffen sind!

Dabei sind viele Fragen offen: wie wird die innerbetriebliche Fortbildung, vor allem in kleineren Betrieben, stattfinden? Wo wird es ein gezieltes außerbetriebliches Angebot geben, das nicht nur punktuell auf die neuen Herausforderungen abstellt? Wer wird entsprechende Lehrinhalte definieren? Wer wird diese Fortbildungen für nicht-arbeitslose ArbeitnehmerInnen finanzieren?

Eine Vision für Vorarlberg

Im Interesse der ArbeitnehmerInnen wollen wir in Vorarlberg damit beginnen, sie für die Arbeit der Zukunft fit zu machen. Diese Aufgabe wollen wir nicht dem „Freien Markt“ überlassen. Fortschritt und die Interessen der Arbeitnehmer sind kein Widerspruch sondern können eine produktive Symbiose bilden. Dafür benötigt es jedoch politischen Gestaltungswillen.

Dazu braucht es eine jetzt Plattform, in der neben der Gewerkschaft, dem AMS, der Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer vor allem auch die Volkshochschulen und andere Fortbildungsinstitutionen eingebunden sind. Dies muss unter Führung des Landes geschehen. Und es wird nicht ohne entsprechende finanzielle Mittel gehen. Daher muss es einen von den genannten Institutionen gespeisten Fonds geben, der nach Erstellung der notwendigen Maßnahmen und Lehrpläne Geld für Qualifizierungsmaßnahmen der Arbeitnehmerschaft in Vorarlberg zur Verfügung stellt. Denn klar ist, dass „Industrie 4.0“ auch „Arbeit 4.0“ bedeutet. Das sind zwei Seiten derselben Medaille. Nur, wenn wir die neue industrielle Revolution als ganzheitlichen Prozess betrachten, der vor allem auch bedeutende Aspekte des Arbeitslebens und der individuellen Arbeits- und Bildungsbiographien berührt, wird es uns gelingen, sie in im Interesse der ArbeitnehmerInnen zu gestalten.

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